Glückliche Kindheit mit Gorlin-Goltz-Syndrom
Glückliche Kindheit mit Gorlin-Goltz-Syndrom?
30. Oktober 2025

Unser Körper nutzt Vitamin D für die Regulierung des Kalzium-Spiegels und den Knochenaufbau. Um genug Vitamin D zu produzieren, benötigt unser Körper UV-B-Strahlung.

Mit der Diagnose Gorlin-Goltz-Syndrom hat sich vieles in deinem Leben geändert. Plötzlich weckt der erste Sonnenstrahl des Tages keine Vorfreude mehr, sondern Angst vor weiteren Basalzellkarzinomen. Du meidest jeden längeren Aufenthalt in der Sonne und selbst kurze Wege bei Sonnenschein werden genau geplant. Doch wie bekommt dein Körper ausreichend Vitamin D, wenn du die Sonne fürchtest wie der Teufel das Weihwasser? Dieser Frage möchte ich im vorliegenden Artikel nachgehen.

Was ist Vitamin D und welche Rolle spielt es im Körper?

Vitamin D ist eine Gruppe von Vitaminen, die zu den fettlöslichen Vitaminen gehört. Vitamin D reguliert den Kalzium- und Phosphat-Stoffwechsel und unterstützt die Mineralisierung der Knochen. Zudem spielt Vitamin D eine Rolle bei der Abwehr von Infekten.

Der menschliche Körper kann unter dem Einfluss von UV-B-Strahlung Vitamin D3 (Cholecalciferol) in der Haut bilden. Es gehört zu den physiologisch wichtigsten Vertretern der Vitamin-D-Gruppe. Da Vitamin D kaum in der Nahrung vorkommt, ist der menschliche Körper auf diese Sonneneinstrahlung angewiesen. Zu den wenigen Vitamin-D-Lieferanten unter den Lebensmitteln zählen fette Fische wie Hering und Lachs, Lebertran und Margarine. Da in unseren Breitengraden die UV-Strahlung im Winter sehr gering ist, brauchen viele – unabhängig von ihrer täglichen Aufenthaltsdauer im Freien – in dieser Zeit eine Vitamin-D-Supplementierung.

Wenn du vom Gorlin-Goltz-Syndrom betroffen bist, kann dein Körper jedoch weder im Sommer noch im Winter genügend Vitamin D produzieren. Denn du solltest stets einen zuverlässigen Sonnenschutz betreiben. Selbst wenn du mal kurz in der Sonne bist, reicht dies nicht für eine ausreichende Produktion von Vitamin D aus. Denn du müsstest regelmäßig mindestens ein Viertel deiner gesamten Haut mehrere Minuten der Sonnenstrahlung aussetzen. Dies würde dein Risiko für weitere Basaliome erheblich erhöhen. Deswegen empfiehlt sich ganz allgemein betrachtet eine ganzjährige Vitamin-D-Einnahme. Bevor du jedoch Nahrungsergänzungsmittel einnimmst, solltest du immer Rücksprache mit deinem behandelnden Arzt halten. Er kann auch feststellen, ob in deinem Blut ein Vitamin-D-Mangel nachweisbar ist und eine Supplementierung gut für dich ist.

Mögliche Folgen eines Vitamin-D-Mangels oder -Überschusses

Vitamin D erfüllt wichtige Aufgaben im menschlichen Körper. Es ist sozusagen ein stiller Allrounder, der überall mitmischt: in den Knochen, im Immunsystem, in der Muskulatur und sogar in unserer Stimmung. Doch was passiert, wenn der Körper zu wenig davon hat?

Ein Mangel entwickelt sich meist schleichend. Die ersten Anzeichen sind oft unscheinbar: Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder das Gefühl, „nicht ganz in Balance“ zu sein. Manche Betroffene berichten über Muskelschwäche, diffuse Schmerzen in den Knochen oder Gelenken oder über eine langsam nachlassende Belastbarkeit. Das liegt daran, dass Vitamin D eng mit der Aufnahme und Verwertung von Kalzium verbunden ist – einem wichtigen Baustein unserer Knochen. Bei einem länger bestehenden Mangel kann das schwerwiegende Folgen haben. Die Knochen werden porös (Osteoporose) oder weich (Rachitis), was das Risiko für Brüche erhöht. Für all jene, die aufgrund einer Erkrankung wie dem Gorlin-Goltz-Syndrom ohnehin körperlich und seelisch gefordert sind, kann das zusätzliche Beschwerden bedeuten, die vermeidbar sind.

Doch nicht nur die Knochen leiden: Studien zeigen, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel auch das Immunsystem schwächen kann. Einige Untersuchungen deuten sogar darauf hin, dass ein Mangel an Vitamin D das Risiko für bestimmte Hautkrebsarten, darunter das maligne Melanom, erhöhen könnte. Dieser Zusammenhang ist noch nicht endgültig bewiesen, aber er zeigt: Vitamin D ist mehr als nur ein „Knochenvitamin“. Es unterstützt den gesamten Organismus.

Zu viel Vitamin D kann ebenfalls schaden. Ein Überschuss entsteht fast nie durch Sonneneinstrahlung oder eine bestimmte Ernährungsweise, sondern ausschließlich durch die übermäßige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. Ein dauerhaft zu hoher Vitamin-D-Spiegel kann zu einer sogenannten Hypervitaminose D führen. Dabei steigt der Kalziumspiegel im Blut übermäßig an. Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Herzrhythmusstörungen oder Nierenschäden können die Folge sein. In schweren Fällen kann das sogar lebensbedrohlich werden.

Deshalb solltest du auch nie Vitamin D auf eigene Faust und ohne ärztliche Begleitung einnehmen. Dein Arzt kann jederzeit mit einem einfachen Bluttest feststellen, ob du überhaupt ein Präparat brauchst und in welcher Dosierung. Zudem wird dein Arzt bei Bedarf Anpassungen vornehmen, wenn sich bei zukünftigen Bluttests zeigen sollte, dass du zu viel oder zu wenig Vitamin D in deinem Körper hast.

Wenn du davon ausgehst, dass du einen Vitamin-D-Mangel hast, solltest du dich von deinem Arzt untersuchen lassen. Er kann dir nicht nur sagen, wie ausgeprägt dein Mangel ist, sondern auch eine passende Dosierung für das Vitamin D zur Supplementierung empfehlen.

Vitamin-D-Versorgung: Empfehlungen und Realitäten

Der Körper kann auf drei Wegen zu seinem benötigten Vitamin D kommen: durch Sonne, Ernährung und Nahrungsergänzung. Bei Personen, die am Gorlin-Goltz-Syndrom erkrankt sind, fällt der erste Weg meistens komplett weg – aus gutem Grund. Also bleiben die anderen beiden:

  • Ernährung: Nur wenige Lebensmittel enthalten nennenswerte Mengen an Vitamin D. Dazu gehören vor allem fettreiche Fische wie Lachs, Hering oder Makrele, Eigelb und Leber. Manche Milchprodukte oder Margarinen sind zusätzlich mit Vitamin D angereichert. Doch selbst mit einer bewussten Ernährungsweise ist es schwierig, allein über die Nahrung genug des wichtigen Vitamins aufzunehmen.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Der Arzt bestimmt mit einem Bluttest deinen individuellen Bedarf. Er kann dir zudem ein passendes Präparat verschreiben oder empfehlen. Du solltest nie einfach „auf Verdacht“ etwas einnehmen, denn zu viel Vitamin D kann genauso schaden wie ein Vitaminmangel. Die richtige Dosis hängt vom Alter, Gewicht, Hauttyp sowie der Jahreszeit und der medizinischen Vorgeschichte ab.

Viele Menschen in Mitteleuropa haben unabhängig von einer Vorgeschichte mit Hautkrebs in den Wintermonaten einen leichten Vitamin-D-Mangel. Das liegt einfach daran, dass die Sonne in dieser Zeit zu tief steht, um genügend UV-B-Strahlen für die körpereigene Vitamin-D-Bildung zu liefern. Deswegen empfiehlt sich der Gang zum Arzt für jeden, der einen gesunden Vitamin-D-Spiegel anstrebt.

Sonnenschutz vs. Vitamin-D-Bildung – ein Balanceakt

Sonnenschutz ist für alle Menschen wichtig – ganz unabhängig von einer Vorbelastung durch Hautkrebs oder das Gorlin-Goltz-Syndrom. Diejenigen, die nicht betroffen sind, können mit kurzen regelmäßigen Aufenthalten in der Sonne bereits ihren Vitamin-D-Bedarf decken. Hierfür sollte man jedoch immer den UV-Index beachten und Zeiten mit einer geringen UV-Belastung wählen.

All jene, die am Gorlin-Goltz-Syndrom erkrankt sind, sollten konsequenten Sonnenschutz betreiben und ihren Vitamin-D-Spiegel regelmäßig überprüfen lassen. Liegt dieser zu niedrig, ist es völlig in Ordnung, wenn du mit einer angepassten Ernährung oder Nahrungsergänzungsmitteln nachhilfst. Du solltest nur mit deinem Arzt über die nötige Dosierung sprechen. Diese hängt immer vom Grad deines Vitamin-D-Mangels ab.

Aber auch alle, die bisher keinen Hautkrebs hatten, können unter ärztlicher Aufsicht Vitamin D supplementieren, wenn sie sich vor der schädlichen UV-Strahlung schützen wollen und ihr Körper deshalb zu wenig des wertvollen Vitamins produziert.

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